Die neun Planeteten - Navagraha![]()
Grafik: Navagraha, die neun Planeten
Buddha - Shukra - Chandra
Guru - Surya - Mangal
Ketu - Shani - Rahu
Wirkende Kräfte
Die neun Planeten sind die eigentlichen Akteure, die Wirkung hervorbringenden Kräfte im Horoskop. Der Charakter und das Schicksal eines Menschen werden in
Jyotish entsprechend der Stellung am Himmel beschrieben, den die Planeten im Moment der Geburt, vom Ort der Geburt aus gesehen, einnehmen. Da die Planeten
in der Astrologie relativ zu einem bestimmten Ort auf der Erde betrachtet werden und sie sich aus der Perspektive dieses Ortes über den Himmel "bewegen", werden sie
alle als Planeten bezeichnet - "Planet" bedeutet wörtlich "der Umherschweifende". Anders als in der Astronomie werden daher Sonne und Mond ebenso wie die
beiden Mondknoten in der Astrologie als Planeten bezeichnet.
Wie schon erwähnt ist das Sanskritwort für Planet "Graha" und bedeutet soviel wie "Greifer". Die physischen Himmelskörper und die beiden
abstrakten, nicht-physischen Mondknoten werden in der vedischen Astrologie als Repräsentanten der elementarsten Naturgesetze oder der kosmischen
Bewusstseinskräfte angesehen, die alle Aktivität im Kosmos organisieren und koordinieren und dieser Aufgabe entsprechend jederzeit Zugriff auf jeden
individuellen Aktivitätskomplex (Ego) im Universum haben.
Aus der Sicht des Veda ist Bewusstsein die grundlegendste Realität. Alle Prozesse im Universum finden im Bewusstsein statt und bestehen
aus Bewusstsein. Realität ist Bewusstsein. Das Universum ist eine Simulation innerhalb des einen Bewusst-Seins, das zu Recht groß genannt
wird. Übrigens haben auch viele europäische Wahrheitssucher diese vedische Sicht der Wirklichkeit nachvollzogen, u.a. Schopenhauer ("Die Welt als Wille und
Vorstellung") und Platon ("Ideenlehre"). Materie wird als verdichtetes Bewusstsein beschrieben. Materielle Objekte sind aus dieser Perspektive sich in einem
bestimmten Muster wiederholende Denkstrukturen, denen das zentrale Bewusstsein keine besondere Aufmerksamkeit mehr widmen möchte und die daher
automatisiert wurden.
Wenn die eigentliche Realität Bewusstsein ist, dann ist das Universum "Jemand" und nicht "etwas". Die grundlegenden Naturgesetze sind Bewusstseinskräfte
und auch sie sind nicht etwas, sondern Jemand. Ein Sonnensystem ist Jemand, die Sonne ist Jemand, die Erde ist Jemand und die Planeten sind ebenso Jemand. Das
Sanskritwort für "Jemand" ist "Purusha". Wie man an dem obigen Bild der neun Planeten erkennen kann, werden die Planeten im Jyotish auch als Personen dargestellt.
Im Jyotish wird das Universum "Kalapurusha" oder "Zeit-Person" genannt. Galaxien und Sonnensysteme sind verkleinerte Projektionen dieses
Kalapurusha. Die Planeten werden als die grundlegendsten Kräfte oder Aspekte des Kalapurusha beschrieben. Die folgende Tabelle listet die Planeten und
ihre Funktionen innerhalb des Kalapurusha auf. Die sieben Planeten von Sonne bis Saturn werden dabei immer in derselben Reihenfolge aufgeführt wie die
Tage der Woche, denen sie entsprechen - also von Sonntag/Sunday (Sonne) bis Samstag/Saturday (Saturn). Den beiden Mondknoten ist kein Wochentag
zugeordnet.
Tabelle der Planeten
Der zentrale erste Begriff ist jeweils farbig hervorgehoben. Die Sonne ist also die Seele oder
das Selbst der kosmischen Person, der Mond sein Geist oder sein Denken, der Mars seine Stärke, der Merkur seine Sprachfähigkeit, Jupiter sein Wissen, Venus seine
Wunschnatur und Saturn sein Kummer oder seine Sorge. Diese Beschreibung der Planeten als Funktionen des Jemand, der das Universum ist, gibt Maharishi
Parashara im 3. Kapitel seines Werkes "Brihat Parashara Hora Shastra", Verse 12-13.
Die kleinen menschlichen "Jemands", die auf der Erde geboren werden, sind eine Nachbildung des kosmischen Purusha. Tatsächlich wird in vielen vedischen
Texten das Wort "Purusha" in der Bedeutung von "Mensch" gebraucht. Sämtliche Kräfte und Strukturen, die innerhalb des großen kosmischen Purushas wirken,
finden sich in den kleinen Purushas, den Menschen, wieder:
yatha pinde tatha brahmande
- "Wie der Körper, so das Universum", heißt es in den vedischen Schriften.
Das Universum ist das Spiel des Bewusstseins. Es ist die Natur des Kalapurusha, ins Unendliche alle denkbaren und möglichen Zustände seiner selbst zu erleben
und durchzuspielen, um sich an seinem eigenen unendlichen Potential zu erfreuen. Die obige Tabelle der Planeten kann schon einen ersten Hinweis auf die
Gesetzmäßigkeiten dieser unermesslichen Kombinationsfreude geben. Dabei kann man die Planeten in ihren unterschiedlichen Positionen am Himmel
als verschiebbare Regler ansehen und sich dann fragen:
Wenn sich z.B. viel Stärke (Mars im Horoskop stark) mit mittlerer Intelligenz (Merkur mittelstark), wenig Selbstbewusstsein (Sonne schwach) und einer starken
Wunschnatur (Venus stark), Unfähigkeit zu Stabilität (Saturn schwach) und großer Wachheit (Mond stark) verbinden - was für Erfahrungen werden daraus entstehen?
Wie wird sich ein so beschaffenes Wesen in unterschiedlichen Situationen verhalten? - Jedes menschliche Leben kann von Jyotish her als eine detaillierte Antwort
auf Fragestellungen dieser Art beschrieben werden, wobei im Geburtshoroskop nicht nur alle neun Planeten sich in einem bestimmten Zustand von Stärke und
Schwäche befinden, sondern ihnen auch noch spezifische Aufgaben zugewiesen werden und sie zudem zu verschiedenen Zeiten ganz unterschiedlich
miteinander interagieren.
Daraus ergeben sich für jeden Menschen sehr komplexe Aktivitätsmuster, die sein Leben und seine Erfahrungen bestimmen. Wenn ein Mensch zu einer bestimmten
Zeit an einem bestimmten Ort geboren wird, manifestiert sich in ihm ein ganz spezifisches Aktivitätsmuster der grundlegenden kosmischen Kräfte, die innerhalb des
Kalapurusha zu dieser Zeit wirken und sein Leben manifestiert die komplexen Möglichkeiten dieser Struktur unter einer Vielzahl von Gesichtspunkten. Die
Interpretation des Jyotish-Horoskops eines Menschen stellt eine vereinfachte Möglichkeit dar, diese hochkomplexen Aktivitätsmuster und ihre Entfaltung in der
Zeit zu beschreiben und zu verstehen.
Um von der Stellung der Planeten in einem Horoskop Rückschlüsse auf Eigenschaften und Verhaltensweisen eines Menschen sowie auf Ereignisse in
seinem Leben Rückschlüsse zu ziehen, ist jedesmal geistig ein sehr weiter Weg zurückzulegen von der abstrakten Formelsprache der Jyotish-Prinzipien bis hin zu
den konkreten und sehr komplexen Aktivitäten, die das menschliche Leben ausmachen. Um diesen Weg erfolgreich zu beschreiten, braucht es Wissen,
Kunstfertigkeit und Intuition - wobei Intuition nicht heißt, dass man einem bloßen Gefühl folgt, sondern dass man fähig sein muss, eine Vielzahl von Faktoren
gleichzeitig im Blick zu behalten und sie auf ganzheitliche Weise und in angemessener Gewichtung korrekt zu kombinieren, spielerisch und präzise zugleich.
Die vedischen Schriften lassen keinen Zweifel daran, dass dies nur einem Jyotishi gelingen kann, der nicht nur fundiertes astrologisches Fachwissen besitzt, sondern sich
auch persönlich, intensiv und mit Erfolg, den vedischen Disziplinen der Persönlichkeitsentwicklung vermittels Yoga und Meditation gewidmet hat, so dass er eine Sicht
des Lebens besitzt, die möglichst nicht mehr individuell begrenzt, sondern kosmisch ist, d.h. frei von Verzerrungen, Parteilichkeit und Vorurteilen. Um gar das Ideal
einer Perfektion in Jyotish zu verwirklichen, ist vollkommene Erleuchtung eine unabdingbare Vorraussetzung, denn die geistigen Anforderungen, die Jyotish stellt, sind
ungeheuer hoch.
Bevor wir die Planeten einzeln besprechen, wollen wir sie in einem systematischen Zusammenhang betrachten und sie in Zusammenhang mit dem
Sankhya-System der vedischen Wissenschaft darstellen.
GRAHA PLANET TAG Surya Sonne So
Selbst-Bewusstsein, Gesundheit, Souveränität, Ich Chandra Mond Mo Denken, Geist, Fühlen, Aufmerksamkeit Mangal Mars Di Stärke, Durchsetzung, Kampf, Streit Buddha Merkur Mi Sprache, ordnende Intelligenz, Organisation Guru Jupiter Do Wissen, Erfolg, Freude, Sinn Shukra Venus Fr Verlangen, Sinnenlust, Sehnsucht, Abhängigkeit Shani Saturn Sa Sorge, Sicherheit, Ruhe, Härte Rahu Drachenkopf -- Begierde, Unbewusstheit, Triebhaftigkeit Ketu Drachenschwanz -- Freiheitsdrang, Sensibilisierung, Irritation