Das Mahāpurāna Shrīmad Devī Bhāgavatam

Einleitung

In den letzten Jahren habe ich das Shrīmad Devī Bhāgavatam aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Der Text umfasst insgesamt etwa 1.000 DinA4-Seiten in der Schriftart Verdana, Größe 10. Ich würde gerne einen Weg finden, dieses Werk als Buch zu veröffentlichen; Anregungen, wie man das am besten umsetzen könnte, sind wilkommen - siehe Emailadresse auf der Startseite. Unabhängig davon will ich aber auf meiner Seite schon einmal als Kostprobe des Buch 1 des Shrīmad Devī Bhāgavatam veröffentlichen.

Die folgende Einleitung, in der ich zusammenfasste, was ich selbst über die Purānas lernte, habe ich 2004 verfasst.

Veda bedeutet vollständiges, umfassendes Wissen um alle Naturgesetze einschließlich seiner praktischen Anwendung. Das Lehren dieses Wissens geschah und geschieht nicht primär über Bücher, sondern wird pe19:12 17.08.2017rsönlich von Lehrer zu Schüler weitergegeben. Indem das vedische Wissen gelehrt wird, werden Geist, Nervensystem und Körper des Schülers in einen Zustand gebracht, der es ihm ermöglicht, die Gesamtheit der Naturgesetze zu erkennen und von seinem eigenen Bewusstsein aus anzuwenden. Das Wissen - der Veda - ist nicht in Büchern, sondern im Bewusstsein des Wissenden - ja, das Bewusstsein des Wissenden selbst ist das Heim allen Wissens, ist der Veda. Die Lebendigkeit des Wissens liegt in der Lebendigkeit und Wachheit des Bewusstseins des Wissenden.

Bücher sind in den äußeren Randgebieten des Wissens angesiedelt. Es gibt also eine vedische Literatur. Am äußersten Rand dieser Randgebiete des Wissens gibt es eine Literaturgattung namens Purāna. Das Sanskritwort "purāna" bedeutet "uralt" und die Purānas sind die Werke der vedischen Geschichtsschreibung.

Wenn man also aus dem Gebiet der Unwissenheit kommt und sich ganz von außen dem Bereich der vedischen Wissenschaft nähert, begegnet man als erstes den Purānas. Die Purānas werden auch als "Illustration des Veda" bezeichnet. Die Naturgesetze, die im Inneren des Bewusstseins wirken und die der wirklich Wissende in der unendlichen Stille seines eigenen innersten Bewusstseins wahrzunehmen gelernt hat, werden hier in ihrer konkreten Manifestation - in Aktion sozusagen - als Personen dargestellt.

Für jemanden, der nicht ausgebildet wurde, seine volle Gehirnkapazität zu nutzen und die Naturgesetze, die den Kosmos gestalten, aus der inneren Unbegrenztheit seines eigenen innersten Bewusstseins heraus wirken zu sehen, wie die erleuchteten Rishis, die Seher des Veda, es taten, erschiene das Wissen um diese Ebene der Wirklichkeit und die dort wirkenden Gesetzmäßigkeiten etwa so abstrakt, ungreifbar und unverständlich wie einem Laien die Relativitätstheorie oder die Quantenphysik erscheinen. Er würde das Wissen in seiner reinen Form unverdaulich und wenig anziehend finden.

Die Purānas sind sozusagen eine Bilderbuchausgabe des Wissens. Sie enthalten ein vollständiges und sehr präzises Wissen um die im Bewusstsein und in der Materie wirkenden Naturgesetze und beschreiben, wie ihr Zusammenwirken die Aktivität im Kosmos und das Leben der Menschen steuert - und sie präsentieren dieses Wissen auf eine sehr konkrete, sinnliche, anschauliche Art und Weise. Man liest spannende Geschichten und lernt dabei, selbst ohne es zu beabsichtigen und ohne sich groß für dieses Wissen qualifizieren zu müssen.

In der vedischen Literatur gibt es 18 Mahāpurānas - große Purānas. Eines davon ist das Shrimad Devī Bhāgavatam. Der Verfasser aller Purānas und auch dieses Werkes ist Mahārishi Veda Vyāsa, einer der berühmtesten Meister der vedischen Tradition. Er hatte die Aufgabe, das Wissen des Veda in eine Form zu bringen, in der es selbst im Kālī-Yuga, dem dunkelsten der Zeitalter, verstanden und angewendet werden kann.

Veda Vyāsa

Die Purānas stellen die Geschichtsschreibung des Veda dar, d.h. es wird in ihnen von historischen Ereignissen berichtet, die sich über einen Zeitraum von vielen Tausenden von Jahren hinziehen. Interessanterweise stehen dabei meistens nicht die auf der Erde stattfindenden Ereignisse im Mittelpunkt, d.h. als handelnde Personen treten nicht nur Völker, Herrscher, Wissenschaftler, Priester, Generäle usw. in Erscheinung, sondern die Repräsentanten der im Bewusstsein und in der Materie wirkenden Naturgesetze selbst und auch die Ganzheit des Lebens, die ihr Verhältnis zueinander regelt.

Gleichsam spielerisch lernt man beim Lesen der Purānas die Gesetzmäßigkeiten kennen, die im Universum wirken und erfährt zugleich vieles über die Kräfte, die im eigenen Geist und Körper wirken, wenn man sich mit Hilfe der vedischen Bewusstseinstechniken, insbesondere Yoga und Meditation, zum Zustand der Erleuchtung hin entwickelt.

Was den Aspekt der Geschichtsschreibung anbetrifft, so lassen Sie sich bitte nicht von der populären Darstellungsform ablenken, sondern sehen Sie diesen Text als eine zugleich sehr wissenschaftliche und pädagogische Form der historischen Berichterstattung an: es werden nicht die bloßen Ereignisse geschildert, sondern man sieht die Naturgesetze selbst in Aktion, die das Geschehen steuern.

Die Devas oder Götter repräsentieren dabei die vom Bewusstsein aus wirkenden Naturgesetze. Ihre Gegenspieler, die Materiekräfte, treten in Gestalt der Asuras, der Dämonen oder Titanen, in Erscheinung. Die Natur, die Zeit, das Leben selbst - diejenige ganzheitliche Wirklichkeit also, welche die einander entgegengesetzten Pole des Bewusstseins und der Materie hervorbringt und in sich vereinigt - wird im Shrīmad Devī Bhāgavatam von der Mahādevi, der Göttlichen Mutter des Universums, verkörpert, die auch die Mutter der Devas und der Asuras ist.

Maharishi Mahesh Yogi hat einmal gesagt, dass es eine Freude ist, die Geschichten der Purānas zu hören oder zu lesen und dass die Freude um so größer ist, je unwissender der Hörer oder Leser ist. Ich habe immer große Freude am Lesen der Purānas gehabt und das ist es, was ich allen Lesern der hier präsentierten Auszüge aus dem Shrīmad Devī Bhāgavatam wünsche: viel Freude.

Buch 1 des Shrīmad Devī Bhāgavatam