Das Sudarshana Chakra

Ein Fortgeschrittenen Thema

"Chakra" bedeutet Rad, "Darshan" Schauen bzw. hier Schaubild, "Su" heißt gut. Sudarshana heißt auch die göttliche Diskus Waffe von Vishnu.

In der "Brihat Parashara Hora Shastra" (BPHS) heißt es in Kapitel 74 über das Sudarshana Chakra und seine Verwendung:

"Maharishi Parashara sprach zu Maitreya:

Oh Brahmane, ich werde dir nun ein Wissen vermitteln, das ein großes Geheimnis und von allergrößter Wichtigkeit ist und das mir von Lord Brahma selbst um des Wohlergehens der Welt willen mitgeteilt wurde.

Es handelt von einem Chakra namens Sudarshana, durch welches die Astrologen in die Lage versetzt werden, die förderlichen und widrigen Ergebnisse für jedes Jahr, jeden Monat und jeden Tag - von der Zeit der Geburt bis zum Zeitpunkt des Todes einer Person - vorherzusagen. Höre sehr aufmerksam zu.

Oh Brahmane, Nimm einen Punkt und zeichne drei Kreise um ihn herum. Innerhalb dieser Kreise ziehe 12 Linien, um die 12 Häuser in jedem Kreis darzustellen. Auf diese Weise wird das Sudarshana Chakra gezeichnet."

In den ersten (den innersten) Kreis trage nun mit dem Aszendenten (lagna) beginnend die 12 Häuser mitsamt den in ihnen befindlichen Planeten ein. In den nächsten nach dem innersten Kreis trage die 12 Häuser mit dem Tierkreiszeichen (rashi) des Mondes (Chandra) beginnend mitsamt den darin befindlichen Planeten ein. In den dritten Kreis trage dann die 12 Häuser mitsamt den Planeten vom Rashi der Sonne (Surya) aus ein. Somit gibt es dann 3 Rashis in jedem Haus (bhava) des Chakras."

Nehmen wir als Beispiel das Rashi-Chart von Hermann Hesse (in nordindischer und südindischer Darstellung):

Dann sieht das Sudarshana Chakra für Hermann Hesse so aus:

Die Zahlen für die Rashis habe ich hier nur für die Kendras (Eckhäuser) eingetragen, damit das Chart nicht zu überladen wirkt.

Um selbst ein Sudarshana Chart zu erstellen findet ihr ein leeres Sudarshana Chart zum kopieren hier.

Parashara fährt fort:

"Der entscheidende Aspekt dieses Chakras ist, dass hier der Aszendent, der Mond und die Sonne für das erste Haus stehen. Das 2., 3. usw. bis hin zum 12. Haus vom Mond und von der Sonne aus behandeln dieselben Themen, wie sie es vom Aszendenten aus gezählt tun. Dann sollte man entsprechend den Planeten in jedem Haus die Ergebnisse schlussfolgern.

In dieser Form des Geburts Charts wird die Sonne im ersten Haus als segensreich betrachtet und in den anderen Häusern als ungünstig oder als Übeltäter.

Die Übeltäter Planeten bringen keine ungünstigen Wirkungen hervor, wenn sie in ihrem Zeichen der Erhöhung stehen.

Auf diese Weise sollte man Vorhersagen machen, nachdem man die Wohltäter- und Übeltäter-Natur der Planeten in Betracht gezogen hat sowie ihren Charakter und Aspekte (drishti) von ihnen und auf sie.

Ein Haus wird förderlich, wenn es von seinem Herrn oder von einem Wohltäter Planeten besetzt ist oder aspektiert wird. Ein von einem Übeltäter Planeten besetztes oder aspektiertes Haus ist verletzt.

Die Ergebnisse eines Hauses werden in Einklang mit dem Planeten stehen, der es besetzt oder in Einklang mit einem aspektierenden Planeten, wenn kein Planet das Haus besetzt.

Die Auswirkungen eines Hauses, das von einem Wohltäter Planeten besetzt ist werden förderlich sein und die eines Hauses, das von einem Übeltäter Planeten besetzt ist, werden ungünstig sein. Gleiches gilt für die Auswirkungen der Aspekte.

Falls ein Haus sowohl von Wohltätern als auch von Übeltätern beeinflusst wird, werden die Auswirkungen von der Mehrzahl an Wohltätern oder Übeltätern abhängen. Wenn die Anzahl der Wohltäter größer ist als die Anzahl der Übeltäter, so werden die Auswirkungen günstig sein. Im umgekehrten Fall sind ungünstige Auswirkungen zu erwarten. Falls es eine gleiche Anzahl von Wohltätern und von Übeltätern geben sollte, so werden diejenigen von ihnen, die stärker sind, die Auswirkungen für das Haus bestimmen. Gemischte Auswirkungen sollte man verkünden, wenn in diesem Fall kein Unterschied in der Stärke der Wohltäter und der Übeltäter besteht. Dasselbe findet für die Aspekte Anwendung.

Falls ein Haus weder von einem Planeten besetzt ist noch von einem Planeten aspektiert wird, so sollten die Auswirkungen seinem Herrn entsprechend festgelegt werden.

Ein natürlicher Wohltäter verliert seine Eigenschaft als Wohltäter, wenn er in überwiegend in Übeltäter Vargas (Neuntel, Zwölftel usw. eines Zeichens) steht. Ein natürlicher Übeltäter verliert entsprechend seine Eigenschaft als Übeltäter, wenn er überwiegend in Wohltäter Vargas steht. Das eigene Zeichen eines Planeten, sein Zeichen der Erhöhung und Wohltäter Vargas werden (diesbezüglich) als segensreich angesehen und Übeltäter Vargas sowie die Vargas (Stellung im Zeichen) eines Feindes und die Varga Stellung im Zeichen des Falls werden als ungünstig angesehen."

Für eine Bewertung der Gesamtstärke eines Planeten in allen 16 Vargas kann man die Vimshopaka Bala Tabelle heranziehen, die man in der Software Jagannatha Hora unter dem Reiter "Strengths" findet. Parashara behandelt die Vimshopaka Bala im 7. Kapitel der BPHS. Für Hermann Hesses Chart sieht diese Tabelle so aus:

Hier ist Buddha der stärkste und Shukra der schwächste Planet.

Parashara sagte:

"Die Ergebnisse sollten erst verkündet werden, nachdem die segensreiche oder ungünstige Natur sämtlicher Häuser festgestellt wurde.

Maitreya fragte:

Oh verehrungswürdiger Weiser, bitte sei so freundlich und erleuchte mich was einen Punkt anbetrifft: Wenn sämtliche Häuser in Einklang mit dem Sudarshana Chakra bewertet werden sollen, warum haben dann viele gelehrte Weise empfohlen, die Auswirkungen der Häuser im Geburtshoroskop (nur) vom Aszendenten aus zu betrachten?

Der Weise antwortete:

Die Ergebnisse sollten nur dann in Einklang mit dem Sudarshana Chakra verkündet werden, wenn die Sonne und der Mond in unterschiedlichen Tierkreiszeichen voneinander und vom Tierkreiszeichen des Aszendenten stehen. Wenn unter den dreien - Aszendent, Sonne und Mond - alle drei oder zwei von ihnen sich im selben Rashi befinden, dann sollten die Auswirkungen nur vom Geburtschart (d.h. vom Aszendenten aus) beurteilt werden.

Der Weise fuhr fort:

"Oh Brahmane, nun werde ich dir die Auswirkungen schildern, die dem Sudarshana Chakre entsprechend jedes Jahr und jeden Monat durch die zwölf Häuser in ihren Dashas und Antardashas hervorgebracht werden.

In diesem System ist jedem der zwölf Häuser, mit dem 1. Haus beginnend, eine Dasha Periode von einem Jahr zugeordnet. So wird in einem Zeitraum von 12 Jahren ein Haus zum Aszendenten des Jahres und unter den übrigen Häusern wird das 2. zum Haus des Wohlstandes, das 3. das Haus des (jüngeren) Bruders usw.

Innerhalb jeden Jahres ist jedem Haus eine Antardasha Phase von einem Monat zugeordnet. Der Methode des Aszendenten eines Jahres folgend wird es hier dann auch einen Aszendenten des Monats geben. Die erste Antardasha wird die des (aktuellen) ersten Hauses sein und dann folgen im Zeitraum von 12 Monaten die Antardashas der anderen Häuser, wobei jedes Haus eines nach dem anderen die Rolle des Aszendenten übernimmt.

Jedes Haus erhält eine Pratyantardasha von 2 1/2 Tagen und eine Vidasha von 12 1/2 Ghatikas (1 Ghatika entspricht 24 Minuten). Dieselbe (zuvor beschriebene) Methode sollte in Bezug auf die Beurteilung der Auswirkungen der Häuser in den Pratyantardashas und Vidashas angewendetet werden."

Beispiel: im Fall von Hermann Hesse sehen die Sudarshana Chakras für den 5. Monat (rechts) im 4. Lebensjahr (links) - von seiner Geburt an gerechnet - dann so aus:

Denn im 4. Lebensjahr ist das ursprüngliche 4. Haus zum Aszendenten geworden und der 5. Monat entspricht dem von da aus 5. Haus.

Parashara sprach:

"Wenn zur Zeit des Beginns einer Dasha Wohltäter im 1., 4., 7., 10., 5., 9. und 8. Haus stehen, so werden günstige Auswirkungen in dem betreffenden Jahr, Monat usw. erfahren.

Das Haus, welches nur von Rahu oder Ketu besetzt ist, wird abträglich sein. Das gleiche wird das Schicksal eines Hauses sein, das von einer überwiegenden Zahl von Übeltätern besetzt ist.

Wenn sich Wohltäter in anderen als dem 12. oder 6. Haus befinden, so wird das entsprechende Haus segensreiche Wirkungen hervorbringen. Mit anderen Worten: wenn sich im 12. oder 6. Haus (vom aktuellen Aszendenten aus) Wohltäter befinden, so ist auf ungünstige Auswirkungen in dem betreffenden Jahr, Monat usw. zu schließen.

Wenn sich Übeltäter im 3., 6. und 11. Haus von dem Haus befinden, das (aktuell) die Rolle des Aszendenten übernommen hat, dann werden diese drei Häuser positive Wirkungen hervorbringen.

Auf diese Weise können die Auswirkungen für jedes Jahr, jeden Monat usw. festgestellt werden.

Die Gesamtzahl der Jahre in der Vimshottari Dasha beträgt 120 Jahre. Alle 12 Jahre wird (in den Sudarshana Chakra Dashas) dieselbe Methode der Festlegung der Dashas, Antardashas usw. für den Aszendenten und die anderen Häuser wiederholt."

Wenn nach Abschluss des 12. Lebensjahres das Sudarshana Chakra wieder seine ursprüngliche Position erreicht hat, so heißt dies natürlich nicht, dass sich dieselben Ereignisse im Leben wiederholen. Denn in der Zwischenzeit haben sich im Vimshottari Dasha System die Antardashas, Pratyantardashas usw. und manchmal auch die Mahadasha geändert und auch die Transite sind in ständiger Bewegung. Das System der Dashas im Sudarshana Chakra soll ja auch nicht nur für sich allein Verwendung finden.

Parashara sagte:

Nachdem man im Einklang mit dem Sudarshana Chakra die Auswirkungen für die Jahre, Monate usw. festgestellt hat, sollten die Auswirkungen für die Jahre, Monate usw. durch das Einbeziehen von Ashtakavarga ergänzt werden. Die positiven oder negativen Auswirkungen werden voll eintreten, wenn in beiden Systemen (Sudarshana Chakra und Ashtakavarga) die Resultate übereinstimmen. Wenn sie unterschiedlich ausfallen, sollte man die Stärke (der festgestellten Auswirkungen) von beiden vergleichen, um das endgültige Ergebnis festzustellen."

Um es nicht zu kompliziert zu machen, kann man für die Ashtakavarga Bewertung erst einmal die summierten Ashtakavarga Punkte (bzw. Linien, Rekhas) für jedes Tierkreiszeichen verwenden. Dies wird Samudaya Ashtakavarga genannt. Die Punkte berechnen sich aus den Abständen der 7 Planeten und des Aszendenten zueinander (Rahu und Ketu werden hier nicht einbezogen). Der Aszendent wird hier wie ein Planet behandelt. Je mehr Punkte um so besser die Auswirkungen für Planeten in dem entsprechenden Tierkreiszeichen (Rashi). Details hierzu führt Parashara in Kapitel 72 der BPHS an. Dort sagt er, dass ein Rashi mit mehr als 30 Rekhas positive und ein Rashi mit weniger als 25 Rekhas negative Auswirkungen hervorbringt.

In der hervorragenden Jyotish Software Jagannatha Hora ist diese Punktewertung im Standard Startbildschirm unten rechts zu sehen. Für Hermann Hesse sieht das dann so aus:

Das Zeichen Skorpion hat hier 34 Punkte und bringt gute Resultate, das Zeichen Krebs hat nur 20 Punkte und bringt ungünstige Resultate usw.

Versuchen wir das alles mal anzuwenden auf das Chart von Hermann Hesse.